DE 🇩🇪 Zwergschnepfe
EN 🏴 Jack Snipe
Lat. 🔠 Lymnocryptes minimus
03.01.2026
Bis Ende 2025 hatten wir gelegentlich von überwinternden Zwergschnepfen in unserer Gegend gehört.
Im Sommer brüten diese Tiere in den östlichen Gebieten von Schweden bis nach Ostsibirien. Im Winter sind sie bei uns anzutreffen.
Wir hatten allerdings die Art bislang wenig verfolgt und dementsprechend mit keiner Sichtung gerechnet.
Ende 2025 wurde in einem Regenrückhaltebecken in Karlsruhe eine Zwergschnepfe auf Ornitho gemeldet. Wir beschlossen, unser Glück zu versuchen und die Art zu suchen.
Dort angekommen, waren wir sichtlich überfordert. Der gesamte Boden des Rückhaltebeckens war mit kurzen Grasstoppeln bedeckt und an den offenen Stellen zeigte sich dunkler Boden. Die Zwergschnepfe fand hier ideale Bedingungen, um sich vor uns zu verstecken und nicht entdeckt zu werden. Super!
Zusätzlich waren im Gebiet noch über 15 Bekassinen anwesend, die fast genauso aussehen wie Zwergschnepfen, jedoch doppelt so groß sind. Die Tipps der Ornithologen vor Ort halfen uns auch nicht weiter und am Ende waren wir uns nicht sicher, ob sie tatsächlich Bekassinen und nicht Zwergschnepfen gesehen hatten.
Frustriert gingen wir wieder, nachdem unsere Finger fast abgefroren waren. In den folgenden Tagen durchstreiften wir dasselbe Gebiet mehrfach sowie weitere im Raum Stuttgart, jedoch ebenfalls ohne Erfolg.
Wir wollten nicht aufgeben und informierten uns, wie wir die Schnepfe finden können. Also: Die Zwergschnepfe ist halb so groß wie die Bekassine, bewegt sich wippend, liegt flach auf dem Boden und vertraut auf ihre Tarnung. Sie fliegt erst in Notsituationen auf. Außerdem hat sie einen braunen Mittelstrich am Kopf, im Gegensatz zur Bekassine, bei der dieser beige ist.
Dann gaben wir uns gestärkt durch unser Fachwissen und ausgerüstet mit dickerer Kleidung erneut einen Ruck und begaben uns wieder in das Gebiet.
Wir suchten alles ab, hier eine Bekassine, dort eine Bekassine. Doch dann! Als wir mit dem Fernglas das Ufer des Baches absuchten, saß sie dort. Wir konnten es kaum glauben, endlich hatten wir es geschafft.
Wir erschreckten wohl ein paar Bekassinen, die dann in Richtung Zwergschnepfe marschierten. Diese wurde jedoch nicht vertrieben.
Es war schön, der Schnepfe zuzusehen, wie sie so getarnt still da saß. Auch den Schnepfengang konnten wir gut beobachten.
Es lohnt sich also, hartnäckig dran zu bleiben und sich gründlich über eine Art zu informieren!
Zwergschnepfen benötigen für ihr Überwinterungsgebiet nasse Wiesen oder Gräben mit einem fließenden Gewässer. Zudem sollte das Gebiet ausreichend Deckung bieten, damit sich die Schnepfe tarnen kann. Wenn sich in einem solchen Gebiet im Winter viele Bekassinen aufhalten, ist das ein gutes Anzeichen für das Vorkommen von Zwergschnepfen. Das nachfolgende Gebiet erfüllt alle Kriterien für ein Überwinterungsgebiet. Die Zwergschnepfe wurde in der Kurve des vorderen Bachs aufgenommen.
In Baden-Württemberg.