DE 🇩🇪 Rallenreiher
EN 🏴 Squacco Heron
Lat. 🔠 Ardeola ralloides
Mai 2023
An einem Sonntagmorgen schaute ich wie gewöhnlich auf die Startseite von Ornitho. Ich entdeckte ein Bild aus dem Raum Karlsruhe, auf dem ein junger/juveniler Nachtreiher gesichtet wurde. Dabei dachte ich sofort, dass etwas nicht stimmt, denn der Vogel sah nicht aus wie ein Nachtreiher. Kurz darauf korrigierte der Melder die Meldung und gab an, dass es sich tatsächlich um einen Rallenreiher handelte.
Rallenreiher kommen in Europa im Mittelmeergebiet an Süßwassersümpfen und Feuchtgebieten vor. In Mitteleuropa gelten sie als seltene Ausnahmeerscheinung.
Kurzentschlossen packte ich meine Ausrüstung ein und fuhr so schnell wie möglich zu dem gemeldeten Ort, denn mein Bauchgefühl sagte mir, dass der Vogel nicht lange dort bleiben würde.
Als ich ankam, hatten sich bereits mehrere Beobachter an dem kleinen Teich versammelt. Der Rallenreiher war aus nächster Nähe hervorragend zu beobachten, kaum zu glauben! Trotz der Verletzung am rechten Bein wirkte er sehr munter und fing sogar einen Fisch aus dem Wasser.
Während der gesamten Beobachtungszeit waren etwa 20 bis 30 Personen anwesend. Nach ungefähr drei Stunden ging eine Passantin, die keine Ornithologin war, direkt zum Gewässer, um dort aus unerklärlichen Gründen Wasser zu holen. Anschließend flog der Rallenreiher auf und wurde nicht mehr gesehen. Auch an den folgenden Tagen kehrte er nicht in das Gebiet zurück und wurde in den umliegenden Gebieten nicht gesehen.
Weshalb war der Rallenreiher bei uns?
Bei diesem Rallenreiher handelt es sich um einen Vogel im ersten Kalenderjahr (1. KJ). Dies erkennt man gut an der Strichelung im Hals- und Nackenbereich.
Das erste Kalenderjahr bedeutet, dass er in diesem Jahr zwischen dem 01.01. und dem 31.12. geboren wurde. Ab dem 01.01. des darauffolgenden Jahres befindet er sich im zweiten Kalenderjahr (2. KJ).
Die Rallenreiher sind bereits 45 Tage nach der Geburt eigenständig und nicht mehr auf ihre Eltern angewiesen.
Jungvögel neigen dazu, auch Gebiete außerhalb ihres Brutareals zu erkunden, um weitere Lebensräume für sich und ihre Artgenossen zu entdecken. Dieser Vorgang wird als „post-fledging“ oder „post-juvenile dispersion“ bezeichnet, also das Umherwandern in ihrer Jugendphase.
Der Rallenreiher benötigt ein artenreiches Süßwassersgebiet, idealerweise Sümpfe, Tümpel oder flache Seen mit dichter Ufervegetation. Das nachfolgende Gebiet erfüllt diese Voraussetzungen, ist jedoch wahrscheinlich zu klein, um eine dauerhafte Ansiedlung zu ermöglichen. Dementsprechend hielt sich der Vogel dort nur kurz auf.
In Baden-Württemberg.