DE 🇩🇪 Mauerläufer
EN 🏴 Wallcreeper
Lat. 🔠 Tichodroma muraria
Dezember 2024
Ich hatte bereits seit einigen Jahren immer wieder auf Ornitho Sichtungen gesehen, bei denen ein Mauerläufer in seinem Winterquartier auf der schwäbischen Alb unterwegs war.
Mauerläufer kommen ganzjährig in alpinen Felsgebieten vor, zum Beispiel in den Alpen Europas. Im Winter ist es durchaus möglich, dass die Vögel die Alpenregionen verlassen, ins Tiefland abwandern und nach dem Winter zum Brüten wieder in die Alpen zurückkehren.
Ich hatte mich bereits am Morgen auf den Weg zur genannten Wand gemacht und war um 9 Uhr vor Ort, um mir einen guten Platz zu sichern. Draußen war es sehr kalt, und ich war mir nicht sicher, ob ich an der Stelle tatsächlich den richtigen Platz gefunden hatte. Die Wand ist eine große, kahle Felswand, die ab etwa 10 Uhr Sonne bekommt und ab 12 Uhr richtig warm wird. Diese Wand steht nur im Frühjahr aufgrund der Brutzeit verschiedener schutzwürdiger/sensilber Arten unter Schutz. Ansonsten darf die Wand das ganze Jahr über beklettert werden.
Auf Grund der Kälte und fehlender Mitbeobachter wollte ich nach einigen Stunden aufgeben, weil kein Mauerläufer zu sehen war. Doch ab 11 Uhr kamen weitere Beobachter, und plötzlich waren wir etwa zehn Männer auf engem Raum. Direkt vor uns befand sich eine steile Wand, die in den Abgrund führte, der Boden war glatt und rutschig, und der Mauerläufer war weiterhin nicht zu sehen.
Die Einheimischen sagten, dass der Vogel derzeit etwa ab 12 Uhr zu sehen sei. Wir warteten und warteten...
Dann geschah etwas, auf das wir nicht vorbereitet waren. Trotz der Kälte wollten tatsächlich einige Kletterer an der Wand klettern. Ein freundlicher Beobachter sprach sie an und es gelang ihm mit Höflichkeit, die Kletterer auf eine andere Wand umzuleiten.
Nach weiterer Ungewissheit, ob der Mauerläufer erscheinen würde, rief plötzlich ein Beobachter: „Da ist der Mauerläufer!“ Daraufhin brach Panik aus, die Kameras wurden gezückt, man ging so nah wie möglich an den Abgrund und versuchte, den Mauerläufer bestmöglich zu fotografieren. Etwa 15 Minuten lang wanderte der Mauerläufer die Wand hoch und runter. Er jagte munter Insekten, zeigte immer wieder seine roten, versteckten Flügel und sah für diesen kurzen Moment aus wie ein übergroßer Schmetterling.
Danach verschwand er, und mit ihm allmählich auch die Beobachter.
Nachdem ich die Sichtungen bis heute online verfolge und auch von Bekannten höre, ist der Mauerläufer tatsächlich nicht an die 12-Uhr-Zeit gebunden. Je nach Jahr, Wind und Wetter scheint der Mauerläufer mal früher, mal später herauszukommen. Sofern keine Kletterer im Gebiet sind und ein sonniger Tag erwischt wird, stehen die Chancen gut, einen Mauerläufer zu sichten. In dem besagten Gebiet ist immer viel los. Mauerläufer gibt es im Winter an vielen Stellen. Allerdings werden sie selten beobachtet, da die Wände meist weit entfernt sind und kaum jemand mehrere Stunden lang mit Ungewissheit auf eine Felswand starren möchte. Vielleicht findest du aber doch die Motivation und entdeckst an einem nahegelegenen Steinbruch oder einer Felswand einen Mauerläufer.
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Im Mai 2026 waren wir im Alpenvorland in Bayern unterwegs und suchten auch bekannte Stellen ab. Obwohl wir mehrere Stunden dort verbrachten und mit dem Spektiv aufmerksam die Felswände beobachteten, hatten wir kein Glück, einen Mauerläufer in seinem Brutgebiet zu entdecken.
In Baden-Württemberg ist er nur im Winter anzutreffen. Er benötigt sonnenexponierte Steinwände mit Felsspalten, wie sie zum Beispiel an Schluchten oder Felswänden vorkommen. Das obere Bild zeigt das Wintergebiet, das untere ein mögliches Brutgebiet (Bayern).
In Baden-Württemberg.